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Pressestimmen zum 9-Euro-Ticket. Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Mitteldeutsche Zeitung zum Neun-Euro-Ticket

Klar ist: Es wird voll werden in Bussen und Bahnen, darüber sollte sich niemand Illusionen machen. Was aber passiert nach dem August, wenn das Neun-Euro-Ticket nicht mehr gilt? Darauf hat die Politik bisher nicht nur keine überzeugende Antwort gegeben, sondern leider gar keine. Die Forderungen von Verbänden und Unternehmen nach einer Fortsetzung sind bisher ins Leere gelaufen. Das ist fatal. Es wird nicht wenige Autofahrer geben, die sich, das Billigticket in der Tasche, von den Vorzügen des Nahverkehrs werden überzeugen lassen. Die dann aber im September, wenn die Monatskarte wieder 90 statt neun Euro kosten wird, sich doch lieber wieder hinters Lenkrad setzen werden.

Ab Juni soll es das 9-Euro-Ticket im öffentlichen Nahverkehr geben. Es soll die Bürger entlasten und die Verkehrswende voranbringen. Doch wie effektiv ist diese Maßnahme? Bayerischer Rundfunk

Frankfurter Rundschau: Das 9-Euro-Ticket ist zu wenig

Das 9-Euro-Ticket ist ein Symbol für das zukunftsvergessene Agieren der politischen Führung im Land. Da werden mindestens 2,5 Milliarden Euro ausgegeben, ohne sicherzustellen, dass damit entweder zielgenau den Menschen mit schmalen Einkommen und kinderreichen Familien geholfen wird oder dass ein nachhaltiger Schritt für die Verkehrswende getan wird. Das 9-Euro-Ticket ist ein Fahrschein fürs Schlaraffenland, aber keine sinnvolle Maßnahme in der größten militärischen und ökonomischen Bedrohungslage Europas seit dem Zweiten Weltkrieg. Auch in der Sozial-, Finanz-, Wirtschafts- und Energiepolitik ist eine Zeitenwende dringend notwendig. Durch diesen Krieg in der Ukraine ist durch explodierende Energiepreise, Lieferengpässe und einen internationalen Konjunktureinbruch der Wohlstand in ganz Europa gefährdet. Zumindest müssen sich die Länder in der EU auf eine längere Krisenzeit einstellen.

Straubinger Tagblatt: Das 9-Euro-Ticket ist ein lohnenswertes Experiment

Das 9-Euro-Ticket ist ein Experiment, eine einmalige Werbeaktion – und so sollte man es auch sehen. Denn nachhaltig ist das Modell nicht. Niemand wüsste, wo das Geld herkommen soll, um auf Dauer derart billige Fahrpreise zu ermöglichen – und erst recht nicht, um das Angebot so auszuweiten, dass es mit der steigenden Nachfrage Schritt halten kann. (…) Aber durch Experimente lassen sich bekanntlich auch neue Erkenntnisse gewinnen. Und das ist das eigentlich Spannende am 9-Euro-Ticket: Es kann helfen, diejenigen Stellschrauben zu identifizieren, an denen die Politik drehen muss, um mehr Menschen Mobilität auch ohne Auto zu ermöglichen. Das ist eine große Chance – für die Stadt genauso wie für das Land.

Allgemeine Zeitung Mainz : Kurz gedacht

Die gute Nachricht lautet: Das 9-Euro-Ticket kommt, Bus- und Bahnfahrten werden endlich attraktiver. Aber leider nur für kurze Zeit. Denn die schlechte Nachricht lautet: Nach drei Monaten ist der preiswerte Spaß schon wieder vorbei. Der Gedanke hinter dem 9-Euro-Ticket ist natürlich kein schlechter. Es ist gut für die Umwelt, Bus und Bahn zu fahren, und der innerdeutsche Tourismus wird nach den schweren Corona-Jahren gefördert.

Vor allem Menschen mit geringerem Einkommen können von dem Billig-Fahrschein profitieren und dass auch die bisherigen Zeitkartenbesitzer etwas zurückbekommen, ist ein weiteres Plus. Allerdings stellen sich zwei grundsätzliche Fragen: Was passiert nach den 90 Tagen? Und was bringt den Menschen, in deren Dorf sich nur zwei Busse pro Tag blicken lassen, eine günstige Fahrkarte? Offensichtlich nicht viel. Woran es zu einer richtigen ÖPNV-Offensive fehlt, sind langfristige und nachhaltige Lösungen. Klar bringt das 9-Euro-Ticket kurzfristig eine Entlastung für einige Menschen und wird womöglich sogar den einen oder anderen Autofahrer überzeugen. Der Plan, durch kurzzeitig günstige Tickets die Verkehrswende voranzutreiben, wird allerdings nicht aufgehen. Was der ÖPNV wirklich braucht, sind enge Taktungen, einen strategischen Ausbauplan und langfristige, lebensnahe Lösungen wie das 365-Euro-Ticket. Was der Nahverkehr mit dem 9-Euro-Ticket stattdessen gerade bekommt, ist nicht mehr als vorübergehender, der Not geschuldeter Aktionismus.

Angelo D Alterio

Mein Name ist Angelo D Alterio, ich habe diese Webseite im Jahr 2005 gegründet. Damals noch als Foren-Community eingesetzt, habe ich mich im Jahr 2022 entschlossen ein Nachrichten-Portal einzurichten. Ich bin seit 2015 Medien-Meteorologe und haben unter anderem die Unwetteralarm GmbH ins Leben gerufen.
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