Wetter

Fakten zur Unwetterlage. Das erwartet Sie heute!

In den letzten Tagen hat gab es schwül-warmes Sommerwetter, am Montag gab es schon die erste größere Gewitterlage des Sommer-Halbjahres und der Gewittersaison 2022.Nach dem es heute sehr warm/ heiß war und meist trocken mit nur vereinzelten Schauern oder Gewittern im Nordwesten, steht ab Donnerstag Nachmittag eine markante sogar extreme Unwetterlage an!

Live Unwetterkarte Deutschland

Für Mai ist die Gewitterlage für Donnerstag und vor allem für Freitag doch sehr ungewöhnlich, da selbst in Sommer-Monaten so eine Wetterlage selten gerechnet wird.

Am 19/20. Juni 2021 gab es eine ähnliche Wetterlage, die ihre Dynamik vor allem in Frankreich/Benelux freisetzte, in Deutschland hielten sich dann die Gewitter- und Unwetter in Grenzen.

Anfang August 2017 rechneten die Modelle auch eine ähnlich dynamische Wetterlage. Wie für Donnerstag/Freitag, damals fehlte aber ausreichend Energie-Feuchte und Temperatur-Gradient um mit den Scherungswerten einen Dialog zu kombinieren um damit dann heftige Gewitter- und Unwetter auszulösen, es blieb bei meist nur einzelnen kräftigen Gewittern.

Am 23/24. Juni 2016 konnte sich ebenfalls eine schwere Gewitter-/Unwetterlage vor allem von Frankreich/Benelux bis in den Nordwesten von Deutschland entwickeln bei Capewerten von 2000 bis 3000 J/kg und einem Taupunkt von 17 bis 20°C, es gab schwere Gewitter mit Starkregen teils 100 l/m² und Hagel > 5 cm, größere Unwettercluster mit Sturm-/Orkan oder Tornados blieben aus.

Das berühmte Pfingstunwetter 2014 welches als MCS/MCC von Nordfrankreich/Belgien, Holland und mit Kern über NRW zog, brachte Sturm-/Orkanböen, Starkregen, Hagel und 100.000 Blitze! Es gab Schäden von 650 Mio. € und große Verwüstungen!

Damals am 9/10. Juni 2014 konnte sich die dynamische Energie umsetzen und es entwickelte sich der große Gewittercluster bei Capewerte von >3500 J/kg und Taupunkten um 20°C, die Scherungswinde waren damals nicht extrem ausgeprägt, sonst hätten sich eventuell noch stärkere Orkanböen entwickelt und auch Tornados!

So eine ähnlich Wetterlage habe wir auch am Donnerstag/Freitag, diesmal aber mit für Deutschland/Mitteleuropa extremen Scherungswerten, wo auch erfahrene Meteorologen und Stormchaser ins staunen kommen.

Die Synthese aus Temperatur, Luftfeuchte/Taupunkt und Capewerten stellt schon ein ordentliches Potential für schwere Gewitter am Donnerstag Nachmittag im Westen/Norden von Deutschland da, es können sich neben einzelnen Gewittern auch MCS/MCC bilden und eine Squallline entwickeln, dann sind vor allem Sturm- und schwere Sturmböen möglich, eventuell orkanartige Böen, dazu Starkregen und Hagel ca. 15 / 40 l/m² in 1 h und einer Korngröße von 2-7 cm!

Die Scherungswerte und der Temperatur-Gradient halten sich Donnerstag Nachmittag/Abend noch in den für Mitteleuropa üblichen Rahmen, sind aber dennoch erhöht.

In der Nacht zu Freitag im Westen/Norden weitere Gewitter möglich.

Richtig brisant wird es aber dann ab Freitagmittag, eine Mesotief das sich aus einer Konvergenz östlich vom Atlantik-Tief über Frankreich bildet, soll dann irgendwo zwischen Nordfrankreich/Benelux über Westdeutschland bis in den Osten/Nordosten und Polen ziehen.

Extreme hohe Parameter für Superzellen, Gewittercluster und Orkanböen/Tornados!

Das ungewöhnliche an der Wetterlage von Freitag ist die Kombination der meteorologischen Parameter, die alle durch die Hebung in 500 hpa durch das Gewittertief über Frankreich im extremen Bereich liegen.

  • Temperatur 850 hpa in Süddeutschland 16 bis 21 Isotherme und Nordsee 7 Isothreme!
  • Capewerte südlich vom Emsland bis Brandenburg zwischen 800 und 3000 J/kg
  • Taupunkte von NRW bis Sachsen um 20°C
  • Von Belgien/Holland in den Westen/Norden von Deutschland teils extreme Scherungswerte!
  • Hoher Temperatur-Gradient 0-6 km Höhe
  • 45-70 % atmosphärischer Wassergehalt
  • Jetstream über Westeuropa 300 hpa
  • Extreme Helizität mit 300 / >1000 m²s-²

Diese Kombination ist sehr ungewöhnlich für Mitteleuropa, deshalb sind nun in den entsprechenden Modellen die Indexwerte für Superzellen und Tornados sehr hoch, wie man sie sonst nur aus dem mittleren Westen der USA kennt.

Einige Kurzfrist-Modelle rechnen am Freitagnachmittag einen MCS/MCC (= Meso-Skaliges Konvektives System/Komplex) mit extremen Orkanböen über 150 Km/h und das sind noch nicht einmal Ausreißer, alle Modelle sehen mehrere Gewittercluster, die sich mit dem Mesotief am Freitagnachmittag von Frankreich/Benelux bis Deutschland bilden, alle Modelle haben Sturm in den Läufen mit stark-erhöhten Werten für Superzellen/Tornados auch großer Hagel >5 cm und Starkregen >50 l/m² sind ein Thema, wenn auch Sturm im Fokus der Gewitter steht.

Noch ungewöhnlicher ist, dass sich das Mesotief bzw. Gewittertief, das ab Freitagmittag von Frankreich/Benelux nach Deutschland zieht, dann zu einem MCV und später sogar zu einem Randtief/Sturmtief entwickeln könnte!

Was ist ein MCV ?

Ein „Mesoscaliger konvektiver Wirbel“ ein MCV entsteht in Gewitterclustern (MCS/MCC) wenn diese Gewittercluster genug Energie und starke Scherungswerte aufweisen, kann sich das Gewittersystem so weit vertiefen, das sich die Wolkenbasis um das Tief-Zentrum dreht, über Mitteleuropa sind MCV Gewitter ganz selten, das Pfingstunwetter ELA 2014 hatte einige Eigenschaften die einem MCV entsprechen.

Oftmals gibt es MCV Gewitter in den mittleren Breiten um den Äquator herum, wenn diese zum Beispiel aufs Meer ziehen, etwa von West-Afrika auf den Atlantik und das Wasser eine Oberflächen-Temperatur von 27°C erreicht, können sich aus MCS/MCC und besonders aus den angesprochenen MCV tropische Stürme und Hurricanes entwickeln

Angelo D Alterio

Mein Name ist Angelo D Alterio, ich habe diese Webseite im Jahr 2005 gegründet. Damals noch als Foren-Community eingesetzt, habe ich mich im Jahr 2022 entschlossen ein Nachrichten-Portal einzurichten. Ich bin seit 2015 Medien-Meteorologe und haben unter anderem die Unwetteralarm GmbH ins Leben gerufen.
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